Gurkenkrümmungsverordnung, „Lass-dran-Deckel“-Gesetz, Glühbirnen-Verbotsordnung – kurios? Mitunter unnötig? Mitnichten! Denn so verschieden die Gesetze, die die EU erlässt, sind, so verschieden sind auch die daran beteiligten Akteure und deren Interessen.
Wie genau ein solches Gesetz auf den Weg kommt, sollte für zehn Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 des Gustav-Hertz-Gymnasiums erfahrbar werden, indem diese im Neuen Rathaus der Stadt Leipzig für einen ganzen Tag in die Rolle der Abgeordneten aus dem EU-Parlament schlüpften. In der Simulation wurden die Lernenden unterschiedlichen Fraktionen und Ländern zugeordnet, die über die Ausgestaltung eines europäischen Bürgerdienstes verhandelten. Dabei tauschten sich die insgesamt 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Fraktionen und Ausschüssen unter anderem zu den Fragen aus, wie lange eine solcher Dienst dauern soll, ob dieser verpflichtend oder freiwillig sein soll, ab welchem Alter dessen Absolvierung erfolgen soll, wie er finanziert und vergütet wird, ebenso welche Strafen bei Nichterfüllung drohen würden. In der abschließenden Plenumssitzung debattierten die Anwesenden wort- und bisweilen lautstark über die zu verhandelnden Änderungsanträge ehe trotz aller Differenzen ein Gesetz über den einzuführenden europäischen Bürgerdienst mehrheitlich verabschiedet werden konnte. Während die Abgeordneten der EKR-Fraktion bereits vorzeitig in gespielter (oder realer) Entrüstung geschlossen den Saal verließen, war für die Abgeordneten der anderen Fraktionen nach langwierigen Verhandlungen 18 Uhr das Tagessoll erfüllt.
Doch was nehmen die Teilnehmenden nach zähem Ringen um ein Kompromiss mit: Straßburg oder Brüssel? Hauptsache Europa!
Herr Coiffier




